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Neues Krankheitsbild - Tarifwissen PDF Drucken E-Mail
Die Kassen sehen in den Wahltarife ein großes Risiko – sie befürchten, dass die Versicherten ihre Möglichkeiten bereits besser kennen.

Am Anfang machte sich eine große Euphorie breit, doch jetzt  kommt die große Skepsis. Tarifwahl in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), nach der Gesundheitsreform von den großen Kassen massenhaft angekündigt, sind „als Wettbewerbsinstrument nur mit Vorsicht zu genießen“, warnt nun auch der Bundesverband der Betrieblichen Krankenkassen (BKK). „Das große Wissen und der Informationsvorsprung der Versicherten, die sich ihre Wahltarife gezielt aussuchen“, erklärt ein Experte für Krankenversicherung und Gesundheitsversorgung der DFB Finanzberatung, „werden zu unüberschaubaren Risiken für die Krankenkassen.“

Auslöser ist eine Umfrage unter 1175 GKV-Versicherten. Sie belegt, dass die Versicherten den neuen Angeboten nicht nur „kritisch und mit großer Vorsicht“ begegnen , sondern  gerade ihren Vorteil sehr genau im Auge haben. Diese Situation  macht es den Kassen nicht gerade einfach,  ihre Angebote so zu entwickeln, insbesondere wegen der Mitnahmeeffekte, dass sie nicht schon von vornherein als Verlierer da stehen.

Auch bei der Barmer Ersatzkasse räumt man ein, dass Wahltarife „eine gewisse Gefahr bergen“. Allerdings ist Schwarzmalerei auch nicht notwendig. Viele Bonusprogramme und Tarife, wie beispielsweise für chronisch Kranke, sind ein erster kleiner Schritt in die Richtung einer Kostenstabilität für die Zukunft.
In der Studie wurden die Versicherten unter anderem zu fünf Wahltarifen befragt – unter Berücksichtigung ihres Gesundheitszustandes, ihres Einkommens, ihrer Neigung zum Kassenwechsel und ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten Kassenarten. Am wenigsten behagten ihnen Selbstbehaltstarife – also Beitragssenkungen, für die sie im Gegenzug einen Teil der Behandlungs- oder Arzneikosten selbst tragen müssen. Nur 26 Prozent erklärten, dies komme für sie in Frage. 65 Prozent hingegen konnten sich für die Verpflichtung erwärmen, immer erst den Hausarzt zu konsultieren (Hausarzttarif). Und 52 Prozent liebäugeln mit Tarifen, bei denen sie belohnt werden, wenn sie keine Leistung in Anspruch nehmen (Beitragsrückerstattung). Hausarzttarif und Beitragsrückerstattung „bergen aus Versichertensicht ein niedriges Risiko“, heißt es in der BKK- Analyse zur Begründung. Beide Tarife würden für die Kassen „nach aller Voraussicht Mitnahmeeffekte in nicht geringem Ausmaß verursachen“. Beim Selbstbehalt hingegen seien die Erwartungen der Versicherten an die Prämienausschüttung sehr hoch. Auch hier also die Gefahr für die Kassen, im Wettbewerb übers Ziel hinauszuschießen. Selbstbehaltstarife verursachten nämlich hohen Verwaltungsaufwand und intensive Kostenberatung und einen „permanenten Konflikt“ darüber, „welche abgerechneten Leistungen mit welchen Preisen erstattet werden können bzw. wer wen im konkreten Falle übervorteilen bzw. über den Tisch ziehen möchte“, warnen die Experten. Als relativ gut beherrschbares und überschaubares Angebot empfehlen sie vor allem Tarife bei privaten Krankenversicherungen – die einzigen, bei denen die Versicherten wissen, dass die Leistungen dem Aufwand entsprechend erstattet werden. Zudem erklärten mehr als die Hälfte der Befragten, dass für sie der Weg eher direkt in eine private Krankenversicherung in Frage käme.

Das zeige, dass es den Mitgliedern weniger ums bloße Geldsparen als um gute Versorgung mit möglichst viel Wahlfreiheit geht, folgern die BKK-Experten. Jedenfalls könnten sich die Krankenkassen hier ohne großes Risiko profilieren und ihre Fähigkeit zur Innovation unter Beweis stellen. Bei allen anderen Tarifen geht es nur darum, dem Aufwand das Risiko gegenüber zu stellen. Es ist jedoch zu befürchten, dass es den Versicherten in Zukunft besser gelingen wird als langfristig den Krankenkassen.
(KK, Feb. 2007)

 
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